Planungswettbewerb für den Bau der Umfahrung von Kastelbell und Galsaun auf der S.S. 38 Stilfserjoch zwischen km 176,50 und km 179,40 ca.

Auslober:
Autonome Provinz Bozen – Südtirol
Geschätzte Bausumme:
50.000.000 €
Zeitraum:
2010 - 2011
Wettbewerbsvorgaben:
Als Planungsziel wurde die Verkehrsentlastung der Ortschaften Kastebell und Galsaun durch eine landschaftlich vertretbare und wirtschaftlich machbare Umfahrung definiert. Gefordert war eine Verkehrslösung, die beide Ortschaften – Kastelbell und Galsaun – vom Durchzugsverkehr entlastet aber auch gleichzeitig den Orts- und Tourismusverkehr zu und aus den Dorfzentren ermöglicht. Bei der Trassierung war besonders auf die architektonische und landschaftliche Einfügung, auf die technische und wirtschaftliche Machbarkeit, auf die Verminderung der Umweltauswirkungen und eine möglichst geringe Inanspruchnahme von Kulturgrund zu achten. Bei der zu realisierenden Umfahrung handelt es sich um eine Staatsstraße in Landesverwaltung. Für die Planung des Straßenabschnittes wurde lediglich der Regelquerschnitt 7A gemäß D.LH. 27.06.2006 Nr. 28 und eine Entwurfsgeschwindigkeit von 90 km/h vorgegeben.
   
Projektlösung:
Die vorgeschlagene Projektlösung sah einen ca. 2.540m langen Tunnel mit einer 155m langen Galerie beim Westportal vor, der die Ortschaften von Kastelbell und Galsaun im Norden umfährt. Der Knoten West wurde als T-Knoten im Bereich der Geländeterrasse westlich von Kastelbell ausgebildet. Damit konnten hohe Stützmauern oder Hangbrücken im Bereich der bestehenden Staatsstraße SS38 vermieden werden. Im Osten wurde ein Kreisverkehr vorgesehen, der neben der Osteinfahrt von Kastelbell und Galsaun auch das bestehende Gewerbegebiet ideal an die SS38 anschließt. Für das ca. 2,54 km lange Tunnelbauwerk wurde ein innovatives Fluchtwegkonzept mit einem parallel laufenden und durch eine brandbeständige Wand vom Fahrraum abgetrennten Fluchtweg sowie eine Betonfahrbahndecke zur Erhöhung der Tunnelsicherheit vorgesehen. Um die Beeinträchtigung der Bevölkerung auf ein Minimum zu reduzieren, wurden die Portale der Notausgänge abseits der bewohnten Gebiete positioniert. Das mechanische Lüftungssystem wurde als Kombination einer Längslüftung mit Strahlventilatoren in den Portalbereichen und einer Absaugung über eine Zwischendecke im zentralen Tunnelbereich vorgesehen, wobei die Abluft über einen vertikalen Schacht (ca. 85m) in Tunnelmitte ins Freie gelangt. Dadurch wird die Schadstoffbelastung im Bereich der Portale und in den Ortskernen vermieden. Prägendes Landschaftsbild im Projektgebiet bilden die Hangbereiche mit terrassenförmig angelegten und die durch Trockenmauern gestützten Obst- und Weingärten. Aus diesem Grund wurden auch für sämtliche Portalbauwerke (Haupttunnel und Notausgänge) und das Lüftergebäude als Baustoffe Natursteine und Corten-Stahl vorgesehen. Diese bilden mit der von Menschenhand geprägten Landschaft eine natürliche Einheit.
Die Leistungen für den Planungswettbewerb wurden in Planungsgemeinschaft mit ILF Beratende Ingenieure ZT GmbH, Dr. Arch. Carlo Azzolini und Dr. Ing. Michael Abler durchgeführt